Herkunft der Rasse

Der Bichon Havanais, auch Havaneser genannt, ist einer der fünf von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) anerkannten Bichons, dem Bichon Bolonais, dem Bichon Frisé, dem Bichon Havanais, dem Bichon Maltais und das Löwchen.

Die Herkunft des Havanesers ist unklar, denn es gibt verschiedene Theorien um seine Entstehung.

Der Rassestandard der FCI beschreibt, dass der Havaneser seinen Ursprung in der Mittelmeerregion hat, doch in „Encyclopaedia of dogs“ kann man nachlesen, dass die Vorfahren der Havaneser während der spanischen Herrschaft nach Kuba eingeführt wurden. Die kleinen, weissen Hunde wurden durch die Conquistadores zwischen dem 15. und dem 16. Jahrhundert als Rattenfänger auf den Schiffen importiert.

Die reichen, kubanischen Bürger waren von den kleinen, schönen Hunden hingerissen und nahmen sie unter ihre Obhut. Sie kreuzten sie mit den einheimischen Hunden und nannten die entstandene Rasse „Blanquito de la Habana“ (Im 18. Jahrhundert ist dies der erste schriftliche Nachweis eines weissen Salonhundes in Kuba). Diese von den Kubanern aus Rattenfängern gezüchteten Hunde waren sehr klein und besassen ein reinweisses Haarkleid, dass sich nicht stark an das warme Klima anpasste.

Man nimmt an, dass der Havaneser zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Erscheinung tritt. In dieser Epoche erreichten viele Einwanderer hauptsächlich aus Costa Rica und Haiti Havanna und liessen sich dort nieder. Sie brachten neben ihrer Kultur auch ihre Hunde mit, die meist klein und pudelähnlich waren. Die Kubaner kreuzten die bestehende Rasse „Blanquito de la Habana“ und die neu hinzugekommenen Hunde und es entstand eine neue Rasse mit verschiedenen Haarfarben, dies war die geburt des Havanesers.

Währen der Revolution in Kuba 1959, nach der Machtübernahme von Fidel Castro, wanderte die Mehrheit der Züchter der Rasse, meistens Mitglieder der wohlhabenden Familien, in die USA aus und nahmen ihre Hunde mit. Dieser Exodus verringerte die Zahl der Rassehunde, die die alten Aristokratengeschlechter mit viel Eifer beschützt hatten. Manche der Hunde wurden der Obhut von Hausangestellten oder Freunden gelassen. 1960 gab es immer noch viele politische Unruhen und die Mehrheit der Rasse war zum Aussterben verurteilt. Die Bücher, Register, Literatur über die Genetik, Fotografien und jedes Dokument, das über die Hunde dieser Zeit berichtete, sind verschwunden.

Eine andere Theorie besagt, dass der Havaneser ein direkter Nachkomme des Maltesers ist, der auch nach Kuba importiert wurde.

Im Buch „Observer’s book of rare breeds“ wird der Havaneser als ein Nachkomme aus der Kreuzung des Maltesers und des Teneriffahundes bestimmt. Teneriffa war der erste Handelspartner von Kuba, währen dessen wirtschaftlicher Entwicklung.

Doch eine Theorie von Fiorenzo Fiorone nimmt an, dass der Havaneser in Argentinien entstand. Es ist sicher, dass Bichons Bolonais durch die Italiener eingeführt wurden und sie diese mir den südamerikanischen Hunden kreuzten. Die Handelsbeziehungen zwischen Argentinien und der Karibik erklären den Import dieser Rasse nach Kuba. Zusätzlich erzählte uns eine entfernte Verwandte von Marie Mazzini, dass ihre Ur-Ur-Grossmutter in dieser Zeit einen kleinen, champagnerfarbenen Hund im Bichontyp kannte, den man Havanischer Spaniel nannte.

In den Siebzigerjahren versuchte Dorothe Goodale eine Wiedergeburt des Havanesers mit 12 Hunden von verschiedenen Kubanern, die rund um Miami lebten. Sie fuhr mit der Sicherung der Rasse, deren Aussehen sie nach den Beschreibungen im Stammbaum der Hunde schaffen wollte, fort. Es waren nicht dieselben Zuchtlinien wie die der Hunde, die heute im kubanischen Havanerserklub registriert sind. Als Folge des immer noch bestehen Embargos der USA gegen Kuba ist es den amerikanischen Züchtern nicht möglich, mit ihren Mitzüchtern in Kuba Hunde auszutauschen oder zu exportieren.

1982 wurden aus den USA vier Havaneser nach Deutschland exportiert. Kurz danach kamen drei andere Havaneser aus den USA in die Schweiz. Diese sieben Hunde sind die Basis der Rekonstruktion der Rasse in Westeuropa. Der erste Export eines Havanesers aus den USA nach Holland geschah 1984. Nach dem Mauerfall in Berlin erschien der Havaneser in den Osteuropäischen Ländern, vor allem in Ungarn und Russland.

Heute ist der Havaneser in fast allen europäischen Ländern zu finden, er ist jedoch immer noch ein Hund, der nicht sehr bekannt ist und in einigen Ländern Europas nicht existiert.

Text Margrit Seeberger / Uebersetztung Saskia Leuenberger

www.havanese-club.ch